Kirchenjahr – aktuell –

Der Osterfestkreis

Die Sonntage Septuagesimae, Sexagesimae und Esto­mihi sind die drei Sonntage vor der Passionszeit: Sie schlagen einen weiten Bogen von der überschwäng­lichen Glaubensfreude, die von Weihnachten und Epi­phanias herkommt, zur jubelnden Osterfreude. Unter diesem Bogen von Freude zu Freude wird der Glaube gelebt. Gott handelt durch Christus an Menschen in unterschiedlicher Weise. Die Glaubenden antworten darauf mit ihrem Leben, mit Lob, Dank, Gehorsam und Freude – allein oder in der Gemeinde.

Der Karfreitag mit dem Sterben Jesu ist der schmerz­ hafte und traurige Einbruch unter diesem Bogen.

Die Passionszeit beginnt mit dem Aschermittwoch. An den ersten drei Sonntagen geht es noch nicht direkt um die Passion Jesu. Das Handeln Gottes an seinen Glaubigen durch Christus steht hier im Mittelpunkt.

Die Namen der Sonntage vor und nach Ostern (außer Palmarum) sind die Anfangsworte des jeweiligen Ein­gangspsalms (lntroitus).

lnvocavit (,,Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören”, Ps. 91, 15):
Der Sohn Gottes zerstört die Werke des Teufels.

Reminiscere (,,Gedenke, Herr, an deine Barmherzig­keit”, Ps.25, 6):
Gott schenkt Friede und Heilsgewissheit in und durch Christus.

Oculi (,,Meine Augen sehen stets auf den Herrn”, Ps. 25, 15): Gott wirkt in den Getauften das neue Leben und einen neuen Lebenswandel.

Die beiden folgenden Sonntage beschreiben die Antwort der Getauften auf das Handeln Gottes, das sie erfahren haben:

Laetare (,,Freuet euch mit dem Volke Gottes”, Jes. 66, 10): Mit Freude und Dankbarkeit antworten die Getauften da­rauf, dass Gott auf ihre Verfehlungen nicht mit Recht und Verwerfung, sondern mit Gnade und Vergebung reagiert.

Judica (,,Richte mich, Gott, und führe meine Sache und errette mich!”, Ps. 43, 1): Mit Gehorsam antwortet der Gläubige auf Gottes Wort. Ihm ist Jesus mit seinem Ge­horsam zum Vorbild geworden. So, wie Gott seinen Sohn nicht verlässt, verlässt er die Gläubigen nicht, sondern lässt sie überwinden und rettet im Jüngsten Gericht.

Mit Palmarum (Palmsonntag) beginnt die Karwoche, die sogenannte Heilige Woche. Jesus zieht in Jerusalem ein und wird wie ein König empfangen, bejubelt und gefeiert. Die Herrlichkeit Gottes ist in Jesus noch einmal augenfällig.

Der Gründonnerstag eröffnet das Leiden und Sterben Jesu mit zwei Aspekten:
Jesus stiftet in und mit dem Heiligen AbendmahI den Glaubenden unverbrüchliche bleibende Gemeinschaft mit sich. In, mit und unter Brot und Wein ist er mit seinem wahren Leib und Blut gegenwärtig zur Vergebung der Sünden. Diese Gemeinschaft geht über seinen und dann auch über unseren Tod hinaus.

Von Christus aus ist und bleibt sie bestehen, auch wenn der Mensch sie immer wieder dadurch verlässt, dass er sich in Sünde und mit Gleichgültigkeit abwendet. Christus aber ruft seine Gläubigen immer wieder in diese Gemeinschaft zurück.

Nachdem er diese Beziehung zu Gott gestiftet hat, zieht Jesus sich zum Gebet zurück und bittet seinen Vater, das kommende Leiden und Sterben von ihm abzuwenden. Der Sohn Gottes, zutiefst betrübt, ist verzagt, verzweifelt und einsam. Darin kommt er den angefochtenen Gläubigen sehr nah und wird ihnen Vorbild im Gehorsam. Sie müssen sich ihrer Anfechtung und Verzagtheit nicht schämen. Sie können getrost und getröstet auf Jesus, ihr Vorbild, blicken.

Der Karfreitag ist der Tag des Leidens und Sterbens Jesu. Der Sohn Gottes, verhöhnt, geschlagen, entblößt, mit Dornen gekrönt, trägt die Sünde der Welt an das Kreuz und nimmt sie den Menschen ab. Der Unschuldige muss schul­dig sterben. Die Herrlichkeit Gottes ist absolut nicht mehr zu sehen.

Es wird dunkel: Keine Kerzen. Die Gemeinde verstummt: Kein Gloria, keine Orgel, keine Glocken. Die Gemeinde hört allein das Wort Gottes.

Dieses Schweigen, diese traurige Ruhe münden Ostern in überwältigendem Jubel und unbändige Freude: ,,Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!” ,,Er hat Teufel, Hölle, Sünde und Tod überwunden, besiegt, ein für allemal!” ,,Christus lebt, mit ihm auch ich! Jetzt und in Ewigkeit!”

Christus hat den Tod verschlungen in den Sieg!

So, wie der Sohn Gottes Vorbild geworden ist für unseren Gehorsam und wir ihm folgen, so werden wir ihm auch in der Auferstehung von den Toten folgen.

Der Ostermontag zeigt die Jünger und ihre Reaktion auf die Auferstehung: Die Emmaus-Jünger sind so versunken in ihrer Trauer über den Tod Jesu, dass sie den Auferstan­denen direkt neben sich zuerst nicht erkennen – nicht ein­ mal als er mit ihnen redet.

Der Trost fur die Getauften daraus ist: Gott ist ihnen auch dann nahe und handelt, wenn sie keine ,,Beweise” dafür haben. Diese von Gottes Seite aus unverbrüchliche Ge­meinschaft mit ihm gilt – ganz und gar – unabhängig vom Empfinden und Erleben der Gläubigen.

Hier ist der weite Bogen, der zwischen Epiphanias und der Passionszeit begonnen hat, vollendet.

Der Sonntag Quasimodogeniti (,,Wie die neugeborenen Kinder”) bejubelt die Auferstehung der Getauften zum ewigen Leben in Christus. Ostern war der traditionelle Tauftermin. Am Sonntag danach wurde und wird an die Taufe erinnert, er heißt daher auch ,,Weißer Sonntag”. Heute ist er in vielen Gemeinden Konfirmationssonntag. Durch Wasser und Geist wiedergeboren, ist der Getaufte der Herrschaft des Teufels und des Todes entzogen. Er gehört zu Gottes neuer Schöpfung.

Misericordias Domini wird auch Hirtensonntag genannt: Wer zur Herde des guten Hirten Jesus Christus gehört, hat umfassenden Schutz und braucht keine Not zu furchten, auch dann nicht, wenn es im Leben dunkel um ihn wird – wie Psalm 23 beschreibt. Wer sich verirrt hat, wird vom guten Hirten gesucht und heimgetragen.

Die Gemeinde antwortet an den folgenden Sonntagen auf dieses wunderbare Handeln Gottes mit Jubeln, Sin­gen und Beten.

Jubilate: Die neue Schöpfung jubelt über Gottes bleibende Liebe und Fürsorge.

Cantate: Das Singen ist elementare Lebensäußerung der einzelnen Gläubigen und der Kirche: Das Klagelied hilft, Not und Sorge loszuwerden, und schenkt Hoffnung. Das Loblied macht das Herz fröhlich und öffnet den Blick. Die Psalmen sind die Lieder und Gebete des alten Gottes­volkes, derer sich das neue Gottesvolk bedient.

Rogate: Im Beten wird die Verbindung zu Gott gehalten und gepflegt. Das Gebet des Herrn, das Vaterunser, hat Je­sus seinen Jüngern und damit der ganzen Kirche gegeben.

Mit seiner Himmelfahrt und Thronbesteigung umfasst die Herrschaft Christi nun wieder Himmel und Erde. Er sitzt zur Rechten des Vaters und ist im Heiligen Abendmahl zuge­gen, er erfüllt zugleich das Unsichtbare und das Sichtbare. Gleichzeitig ist mit der Auffahrt in den Himmel das Wie­derkommen Christi angekündigt (Apg. 1, 11).

Exaudi beschreibt die wartende Gemeinde: Damals warteten die Junger auf den Heiligen Geist, den Tröster und Ermahner, den Christus ihnen versprochen hatte. Heute warten wir auf die Wiederkunft des Herrn am Jüngsten Tag.

An Pfingsten wurde der Heilige Geist ausgegossen. Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Gott, der Vater, versöhnt sich mit den Menschen. Die Sprachverwirrung, mit der er beim Turmbau zu Babel die Menschen zerstreut hatte, ist jetzt aufgehoben. In der Sprache des Heiligen Geistes werden die Junger von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Sprache verstanden.

Der Pfingstmontag beschreibt die vielen unterschiedlichen Gaben, die der Heilige Geist in der Gemeinde schenkt und wirkt. Der eine Leib in Christus hat viele Glieder, die durch den einen Geist lebendig erhalten werden.

aus:
DAS KIRCHENJAHR FEIERN – DIE FESTKREISE
herausgegeben vom Amt für Gemeindedienst der Selbständigen Evangelisch – Lutherischen Kirche

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