Was sagt uns die Natur über Gott? – Lektion 1

Christiane Raabe © Pfarrbriefservice.de

Was können wir über Gott wissen?
Natürliche Gotteserkenntnis – Unser Gewissen – Natürliche Gotteserkenntnis macht nicht selig – Nur Jesus Christus versöhnt uns mit Gott

aus:
Was Christen glauben – Grundkurs des christlichen Glaubens

Herausgegeben von der Evangelisch – Lutherischen Freikirche (ELFK)

Der Upload auf diese Internetseite erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers: Concordia – Verlag Zwickau / Concordia-BUCHhandlung GmbH & Co. KG, Verlagsbuchhandlung der Evangelisch-Lutherischen Freikirche, Bahnhofstraße 8, 08056 Zwickau, Deutschland.

Lektion 1 – Was sagt uns die Natur über Gott?

Bevor wir beginnen, Gottes Wort gemeinsam zu studieren, möchten wir Sie auf etwas aufmerksam machen, das Ihnen zum Schutz als „Konsument” dienen soll. Unser Ziel ist nicht, Sie für eine bestimmte Kirche zu werben! Wir möchten Sie vielmehr über das Christentum als Ganzes informieren. Wir sind der Überzeugung, dass erst Gottes Wort unserem Leben hier auf dieser Erde einen Sinn gibt. Aber eigentlich ist es unser Hauptziel, Sie auf das ewige Leben im Himmel hinzuweisen. Wir könnten Ihnen nun am Anfang etwas Schönes über die Bibel und ihre Bedeutung erzählen und damit versuchen, Sie hinters Licht zu führen. Aber Sie würden es bald merken, ob wir auf unsern eigenen Vorteil aus sind, oder ob wir Sie mit Jesus Christus bekannt machen wollen.

Die gute Nachricht von Gottes Liebe, die er uns in Jesus Christus zeigt, bleibt nicht ohne Wirkung. Sie werden entweder mehr über Christus und seine Botschaft wissen wollen, oder das Gesagte wird Ihnen als lauter Unsinn vorkommen, und Sie werden es verwerfen. Hier gilt, was Jesus Christus einmal sagte: „Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich” (Matth. 12, 30). Schließlich sollen Sie von Anfang an wissen, dass Sie zu jeder Zeit aus diesem Kurs aussteigen können.

Auf der Erde wohnen sechs Milliarden Menschen. Obwohl sie ganz verschieden sind, gibt es doch zweierlei, was jeder einzelne Mensch von Natur aus weiß:

1. Er weiß, dass es einen Gott gibt.
2. Er weiß, dass er immer wieder gegen den Willen Gottes verstößt.

Wie kommen wir zu dieser Behauptung? Können wir sie beweisen?\

1. Beweis:

Keiner von uns weiß zum Beispiel, wer die Häuser in einem Ort gebaut hat. Und doch wissen wir ganz gewiss, dass sie nicht von selbst entstanden sind, sondern dass sie jemand erbaut hat. Auch ein Eingeborener im abgelegensten Urwalddorf weiß, dass das, was ihn umgibt – wie etwa die Himmelskörper -, nicht eines Tages einfach vorhanden waren, sondern jemand muss sie ins Dasein gebracht haben. Diesen Jemand nennt er oft “Gott”. Das lesen wir auch in der Bibel: “Denn jedes Haus wird von jemandem erbaut; der aber alles erbaut hat, das ist Gott” (Hebr. 3, 4). “Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk” (Ps. 19, 2). Da muss man schon Paulus Recht geben, wenn er in Röm. 1, 20 feststellt: „Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, sodass sie (die Menschen) keine Entschuldigung haben.” Die Bibel nennt einmal denjenigen einen Narren, der behauptet, es gäbe keinen Gott (Ps. 14, 1).

2. Beweis:

Es gibt noch einen zweiten Beweis für Gottes Existenz: das Gewissen des Menschen, das ihn entweder entschuldigt oder (und das ist häufig der Fall) Unser Gewissen anklagt.

„Sie beweisen damit, dass in ihr Herz geschrieben ist, was das Gesetz fordert, zumal ihr Gewissen es ihnen bezeugt, dazu auch die Gedanken, die einander anklagen oder auch entschuldigen” (Röm. 2, 15).

Weil jeder Mensch sich unter Anklage weiß, versucht er, Gott zu besänftigen. Zwei Beispiele: Ein reicher Mann in Afrika hat vielleicht drei Kühe. Aber eine davon opfert er bereitwillig seinem Gott. Das ist immerhin ein Drittel seines Reichtums. Oder: In Indien waren einst einige Menschen sehr unglücklich über ihre Sündenschuld. Sie überlegten, was sie tun könnten. Da kamen sie auf den Gedanken, solange direkt in die Sonne zu starren, bis sie erblindeten. Sie waren der Meinung, dass sie dadurch ihre Sündenschuld abtragen könnten.

Im ersten Kapitel des Römerbriefes spricht Paulus davon, dass auch ein Ungläubiger weiß, dass er Gott gegenüber Rechenschaft schuldig ist: ,,Sie wissen, dass, die solches tun, nach Gottes Recht den Tod verdienen; aber sie tun es nicht allein, sondern haben auch Gefallen an denen, die es tun” (Röm. 1, 32). Der sündige Mensch weiß von Natur, dass Gott gerecht handelt, wenn er den Sünder bestraft. Man nennt diese Erkenntnis die “natürliche Gotteserkenntnis”. Dank dieser Erkenntnis weiß der Mensch:

1. Angesichts der bestehenden Welt muss es einen Gott geben.
2. Auch unser Gewissen bezeugt Gottes Existenz.

Aber durch diese natürliche Gotteserkenntnis findet niemand den Weg zur himmlischen Seligkeit. Denn durch sie erfahren wir nicht, wer der wahre Gott ist und auch nicht, wie man von seiner Sündenschuld frei werden kann. Die natürliche Gotteserkenntnis genügt also nicht, wenn ich selig werden will.

Ein Beispiel: Wenn ich mir etwa in den Kopf setzen würde, mein geliebtes Auto, mein Haus, mein Ansehen vor anderen mache meine Seligkeit aus, dann würde ich keine Mühe und Kosten scheuen, mein Auto zu verbessern, mein Haus auszuschmücken, oder keine Mühe, mein Ansehen zu erhöhen. Ich würde diese Dinge förmlich “vergöttern”. Und doch würde ich eines Tages zur bitteren Erkenntnis gelangen, dass ich mich getäuscht habe. Überall in der ganzen Welt beten Menschen tausend verschiedene Götter an. Sie tun dies andächtig und von Herzensgrund. Aber diese Tausenden von Göttern können mir ebenso wenig zur Seligkeit verhelfen wie mein Auto, mein Haus oder mein Ansehen. Das kann nur der wahre Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat. Die Bibel sagt: „Denn alle Götter der Völker sind Götzen; aber der Herr hat den Himmel gemacht” (Ps. 96, 5).

Die natürliche Gotteserkenntnis reicht also nicht aus, um zu erkennen, wer der wahre Gott ist oder wie wir Vergebung für unsere Sünden erlangen können. Was nützt dann diese Erkenntnis? Sie erregt in uns Menschen das Verlangen, den wahren Gott zu finden. Eine Stelle in der Apostelgeschichte (Kapitel 17 Vers 26f.) macht das deutlich: ,,Er (Gott) hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, damit sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten.” Dazu hat Gott den Menschen die Bibel gegeben. Sie beantwortet ihre Fragen. Von ihr sagt Jesus Christus: ,,Sie ist’s, die von mir zeugt” (Joh. 5, 39), d. h.: Sie legt Zeugnis von mir ab. Ja, in der Heiligen Schrift gibt uns Gott dringend benötigte Informationen über sich selbst und darüber, mit welcher Gesinnung er den Menschen begegnet.

In diesem ersten Abschnitt haben wir erfahren, dass alle Menschen – dank der natürlichen Gotteserkenntnis – wissen können, dass sie Sünder sind und deshalb vor Gott straffällig werden. Nun gibt es drei Wege, auf denen Menschen versuchen, mit ihrem Sündenproblem fertig zu werden:

(1) Einige sagen: „Ich habe mich an Gott versündigt, und das muss ich irgendwie wiedergutmachen.” Diese Menschen versuchen, durch gute, fromm gemeinte Leistungen und Opfer Wiedergutmachung zu leisten. Sie opfern etwa Kühe auf ihren Altären oder starren in die Sonne, bis sie erblinden. Manche opfern sich mit großem Eifer in der Sozial- und Wohlfahrtsarbeit für andere auf. Aber es ergeht ihnen so, wie es Paulus von seinen Volksangehörigen bezeugt: ,,Sie haben Eifer für Gott, aber ohne Einsicht” (Röm. 10, 2). Wir müssen lernen zu verstehen, dass Opfer, Eifer und humanes Verhalten uns nicht mit Gott versöhnen können. Nur, wenn sie mit der rechten Gotteserkenntnis verbunden sind, haben sie einen Wert.

(2) Andere verschließen die Augen vor allen Beweisen für die Existenz Gottes in der Natur. Sie hören auch nicht auf ihr eigenes Gewissen und sagen: „Es gibt keinen Gott!” Das sind die Atheisten. Sie meinen: Wenn wir die Existenz Gottes leugnen, dann gibt es auch das Problem der Sünde nicht mehr. Eigentlich lässt ein Atheist sich nicht durch seine Vernunft leiten wie er meint, sondern durch seine Wünsche. Über die Atheisten sagt die Bibel: ,,Die Toren sprechen in ihrem Herzen: ,Es ist kein Gott” (Ps. 14, 1). Im Grunde ist der Atheist bei all seiner Gelehrsamkeit und Intelligenz ein Narr, denn er leugnet das Dasein Gottes, ob- wohl die Natur und sein eigenes Gewissen ihm deutlich entgegenhalten: “Es gibt einen Gott!”

(3) Anders sieht es bei den Christen aus. Sie lassen sich durch den Heiligen Geist in der Bibel zur richtigen Gotteserkenntnis anleiten. Sie geben ihre Sündenschuld zu. Und, was ebenso wichtig ist, sie wissen und glauben, dass Gott sich über ihren hoffnungslosen Zustand erbarmt und seinen Sohn Jesus Christus dazu in die Welt gesandt hat, damit er als „Lamm Gottes” die Sünden der Welt trägt und sühnt.

Wer das glaubt, der muss nicht mehr ständig in Angst leben: Er kennt nicht das krampfhafte Bemühen des Atheisten, Gott aus seinem Leben fern zu halten. Ihn bewegt aber auch nicht die Furcht, Gott durch seine Opfer nicht ausreichend zufrieden gestellt zu haben. Er weiß, dass Gott selbst das Problem der Sündenschuld aus der Welt geschafft hat. Im ersten Johannesbrief (Kapitel 4 Vers 17f.) lesen wir: ,,Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe’ treibt die Furcht aus.” Ja, die Bibel sagt vom wahren Gott: “Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben” (Joh. 3, 16).

Einen solchen Satz sucht man vergeblich in allen heiligen Schriften anderer Religionen.

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1 Damit ist die Liebe Gottes gemeint, die er uns Menschen in Jesus Christus erweist.

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